Die Kraft der Gebete
- Thema:
- Zum Glauben
- Erstellt am
- 30.06.2026
- Autor:
- Tatjana Carpino Satz
Am 21. Mai wachte ich mit dem Funken oder Samen einer Geschichte auf, die ich dann meinem Mann erzählte und so wurde diese Geschichte geboren durch das Erzählen, durch Worte, die ich nun Ihnen weitererzählen will. Der Samen wurde mir geschenkt, weil es Menschen gibt, die denken, dass Gebete immer so erhört werden, wie wir es uns wünschen, wenn wir nur genug stark glauben. Das ist aus meiner Sicht ein theologischer Kurzschluss. Und so geht die Kurzgeschichte:
Es war einmal ein Bauer, ein Junggeselle, der viel für seinen Bauernhof arbeiten musste und daher keine Zeit fand, eine Frau zu finden.
Es kam eine trockene Zeit auf ihn zu, der erhoffte Regen blieb aus. Dieser Bauer glaubte an Gott und an die Kraft der Gebete. Und so betete und betete er zu Gott um Regen, als die Trockenheit nicht enden wollte.
Aber all sein Beten und Flehen und sein treuer Glaube nützten scheinbar nichts: Die Ernte verdorrte und es kam noch schlimmer! Es gab eine Hungersnot. Glücklicherweise hatte er als Bauer noch genug Essen gelagert, aber es war traurig anzusehen, wie das lebenspendende Wasser ausblieb.
Er dachte abwechselnd, dass Gott seine Gebete nicht hörte, dass sein Glaube nicht stark genug sei, dass Gott ihn bestrafen wolle oder prüfen wolle -- er wollte nur die letzte Möglichkeit ausklammern, dass er vergeblich betete, weil es Gott nicht gäbe. Zu sehr hatte man ihn als Kind davon überzeugt, dass Gott uns hört und uns liebhat. Daran hielt er fest. Das war sein Glaube, sein Gottvertrauen.
Wegen dieser Hungersnot, fand eine Frau den Weg zu seinem Hof. Sie ahnte, dass dort Nahrung zu finden sei; tiefe Brunnen und auch Arbeit, um sich das tägliche Brot zu verdienen. Auf diese Weise kam der Bauer, der um Regen betete, zu seiner Frau und später zu Kindern und natürlich kam auch der Regen eines grauen Tages wieder.
Diese Geschichte illustriert, wie wir Gott vertrauen dürfen, dass er für uns immer gute Pläne hat. Auch wenn die Umstände nicht danach aussehen. Er kennt unsere wahren Bedürfnisse. Nicht die, welche uns gerade wichtig erscheinen, sondern jene, welche uns unserer Bestimmung zuführen und uns geistlich wachsen lassen.
Jemand kann durch ein Gebet geheilt werden, ein anderer nicht, doch beide hat Gott lieb und bei beiden hört er die Gebete.
So sind wir eingeladen, in jedem Fall füreinander oder auch für uns zu beten. «Bittet, so wird euch gegeben», sagt uns Jesus; nur gibt uns Gott nicht unbedingt das, worum unser Ego bittet, sondern das, worum unsere Seele bittet. Wir können uns selbst nun fragen: Sind Ego und Seele bei mir im Einklang?
Bei Jesus im Garten Gethsemane vor dem Karfreitag seiner Hinrichtung, bat sein Ego auch um das Überleben und dass er Schmach und Schmerz nicht auf sich nehmen müsste. Doch am Ende des Gebetes, nach seinem Weinen, Flehen, Bitten kam Jesus zur Einsicht seiner Seele, die Gottes Antwort hörte: «Dein Wille geschehe, nicht meiner.», sagte er dann -- der Rest ist Geschichte:
Unsere Seelen bekamen durch Jesu Opfer alles, was sie brauchen: Rückverbindung zu Gott, lebendiges Brot und Wasser, das uns in Ewigkeiten und hier auf Erden nährt.
Ich wünsche Ihnen allen Gottvertrauen und Gottes Segen!
Foto: Betende Hände von Albrecht Dürer.
Autor:
Tatjana Carpino Satz